APM Kommentare
Gold und die expansive Geldpolitik
Von: Andreas Böger
In den vergangenen Wochen war das dominierende Thema die Frage nach einem sog. „Double-Dip“, also einer erneuten Abschwächung der Wirtschaft. Aus unserer Sicht wird es keinen „Double-Dip“ geben, da sich die Wirtschaft nie erholt hat und folglich auch nicht wieder fallen kann. Die Erholung im Jahr 2009 war kaum realwirtschaftlich getrieben, sondern beruhte vor allem auf extrem expansiver Geld– und Fiskalpolitik der Staaten. Diese Eingriffe führten zwar zu steigenden Aktien- und Anleihekursen und stützten generell die Preise, von einer strukturellen Verbesserung kann aber nicht gesprochen werden.
Die steigende Volatilität der letzten Zeit ist also nicht darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaft eventuell schwächer wird, sondern dass die Geld- und Fiskalpolitik nicht mehr so stark expansiv ist (quantitative Erklärung) oder die Maßnahmen nicht die gewünschten Effekte erzielen (qualitative Erklärung).
Grafik: Veränderung Chinesische Geldmenge contra S&P 500
Zwischen März 2009 und März 2010 stieg die chinesische Geldmenge um bis zu 40% p.a. Dieser Anstieg spiegelt nicht starkes Wirtschaftswachstum wieder, sondern geht auf eine Verordnung des chinesischen Staates zurück. Die Korrektur des S&P 500 Aktienindex begann einige Wochen nach der Begrenzung des weiteren Kreditwachstums durch den chinesischen Staat.
Grafik: US Fed Monetarisierung (nach James Turk)
Man spricht von Monetarisierung, wenn eine Zentralbank eine beliebige Finanzanlage mit eigenem Geld kauft. Da die Zentralbank per staatliche Verordnung das eigene Geld erschaffen kann, nennt man den Vorgang auch „Geld drucken“. In der folgenden Grafik sieht man den Zeitraum der bisherigen Monetarisierung der US Fed zwischen März 2009 und März 2010. Auch hier sieht man den zeitlichen Zusammenhang zwischen expansiver Geldpolitik und Stand des S&P 500 Aktienindex.
Chart: Gesamtschuldenstand USA
Das strukturelle Problem der Weltwirtschaft ist am Gesamtschuldenstand der USA gut zu erkennen. Die Verdopplungsrate betrug bisher circa 10 Jahre, seit dem Jahr 2000 waren das 25 Billionen USD (englisch = 25 Trillion USD). Dieser Betrag war notwendig, um das System nach dem Platzen der Internet/Telekom Blase zu stabilisieren. Man kann davon ausgehen, dass die Qualität dieser neuen Schulden nicht die höchste ist (Stichwort US-Immobilien). Womit werden die Zinsen bedient? Wer wird die nächsten 50 Billionen aufnehmen, um das Trendwachstum aufrecht zu halten? Um eine Perspektive der Zahlengröße zu erhalten: Die US Staatsschulden belaufen aktuell auf 13 Billionen USD, die deutschen Staatsschulden auf 2 Billionen USD.
Das aktuelle Geld- und Wirtschaftssystem ist schuldenbasiert und benötigt eine stetige Zufuhr neuer Schulden. Das bisherige Schuldenwachstum wurde vornehmlich zur Stabilisierung diverser Krisen eingesetzt und hat zu weitreichenden Kapitalfehlallokationen geführt. Abflauendes Schuldenwachstum (etwa durch weniger expansive Geldpolitik) schlägt sich sofort in den nominellen Preisniveaus und am Kapitalmarkt nieder. Das absolute Schuldenniveau ist aber bereits so hoch, dass kein „normaler“ Wirtschaftsakteur für eine weitere Schuldenausweitung sorgen kann.
Es bleiben folgende Szenarien: Schuldenausfall und Insolvenz (Deflation) oder Entwertung der Recheneinheit der Schulden (Inflation) oder eine Kombination der beiden Möglichkeiten. Wir rechnen damit, dass die Zentralbanken die Monetarisierung wieder aufnehmen werden, um das nominelle Preisniveau zu stützen (Inflation). Es wird dann für alle Marktteilnehmer offensichtlich sein, dass es keine Erholung gegeben hat und dass die staatlichen Stützungsmaßnahmen realwirtschaftlich versagt haben (Deflation). Dies sollte dazu führen, dass sich die aktuelle Schuldenkrise endgültig zu einer allgemeinen Währungskrise wandelt. Der Goldsektor ist der einzige Anlagebereich, der unter allen Szenarien gut abschneiden sollte.
Über den Autor
Andreas Böger ist seit Fondsbestehen der Portfolio Manager des APM Gold & Resources Fund, ein auf den Edelmetallsektor spezialisierter UCITS III Investmentfonds mit aktivem Risikomanagement. Ziel ist eine höhere risikobereinigte Rendite als passive Investments in Gold und Goldaktien. Der Fonds notiert in Euro, Fremdwährungen werden strategisch abgesichert. www.absolutepm.at
Chart: APM Gold & Resources versus Benchmarks per 16.7.2010



